Vorschlag zur Kürzung.
| Antrag: | Zukunftsfähig – demokratisch – gut! Grüne Perspektiven für eine moderne Schulpolitik in Thüringen |
|---|---|
| Antragsteller*in: | KV Jena (dort beschlossen am: 13.11.2017) |
| Status: | Geprüft |
| Angelegt: | 15.11.2017, 18:39 |
| Antrag: | Zukunftsfähig – demokratisch – gut! Grüne Perspektiven für eine moderne Schulpolitik in Thüringen |
|---|---|
| Antragsteller*in: | KV Jena (dort beschlossen am: 13.11.2017) |
| Status: | Geprüft |
| Angelegt: | 15.11.2017, 18:39 |
Vorschlag zur Kürzung.
Unser Einsatz für optimale Schulstrukturen ist untrennbar mit der Schaffung von bestmöglichen Rahmenbedingungen für gute Schule und mehr Qualität verbunden.
Gute Bildung ist eine zentrale Frage der Gerechtigkeit und darüber hinaus eines
der entscheidenden landespolitischen Themen. Bildung entscheidet über
gesellschaftliche Teilhabe und Aufstiegschancen.
Als Thüringer Grüne in der Regierung haben wir in den vergangenen Jahren
deutliche bildungspolitische Akzente gesetzt. So wurden die Rahmenbedingungen
für freie Schulen deutlich verbessert und in dieser Legislaturperiode mehr
Neueinstellungen von Lehrkräften vorgenommen, als jemals zuvor. Wir konnten
sicherstellen, dass ursprünglich befristete Lehrkräfte für Deutsch-als-
Zweitsprache nun eine dauerhafte Perspektive erhalten. Das Schulbauprogramm -
erstmalig mit einem Schwerpunkt auf energieeffiziente Schulen - haben wir massiv
aufgestockt.
Und wir bleiben weiter am Ball. Mit dem anstehenden Doppelhaushalt für 2018 und
2019 werden wir unter anderem die Vertretungsreserve im Schulbereich deutlich
erhöhen, ein flexibles Schulbudget für Honorarkräfte schaffen und die Bezahlung
von Lehrkräften an Regelschulen verbessern.
Auch wenn wir Einiges erreicht haben, sind viele „Baustellen“ im Schulbereich
immer noch unbearbeitet. Innovative Schulentwicklung ist kaum noch wahrzunehmen.
Die Schulstrukturen im Land müssen dringend modernisiert und eine nachhaltige
Personalpolitik zur Verringerung des Unterrichtsausfalls geschaffen werden.
Demokratiebildung und demokratische Strukturen brauchen mehr Unterstützung als
bisher. Und es fehlen bisher klare Aussagen, wie es mit der Entwicklung in den
Bereichen Inklusion, Ganztag, Integration, Gemeinschaftsschulen und
Digitalisierung weiter geht.
Schon Comenius forderte: „Die Schule sei keine Tretmühle, sondern ein heiterer
Tummelplatz des Geistes“. Wir Grüne meinen, diese Idee ist angesichts der
gesellschaftlichen Gesamtsituation und den Forderungen nach Chancengleichheit
aktueller denn je. Daher wollen wir die Bedingungen im Bildungsbereich in
Thüringen verbessern mit dem Ziel, Schule neben ihrer Bedeutung als Lernort zum
attraktiven Lebensraum weiterzuentwickeln. In Schulen sollen sich Kinder und
Jugendliche wohlfühlen, optimale Lernbedingungen vorfinden und entsprechend
ihrer Fähigkeiten gefördert werden. Für die Lehrkräfte setzt dies bestmögliche
Rahmenbedingungen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung und in allen Schulformen
ein Arbeitsumfeld für qualitativ hochwertiges Lernen voraus.
Ausgangspunkt für grüne Bildungspolitik sind für uns vier Prinzipien, die für
unsere Überlegungen zu "guter Schule für Alle" gelten. Da ist zum ersten das
demokratische Prinzip der Balance zwischen Freiheit und Verantwortung. Zum
zweiten ist es für uns nur nachhaltig, wenn Investitionen in Bildung auch morgen
und übermorgen noch für beste Qualität in der Schule sorgen. Drittens sollen
unsere Überlegungen finanzierbar sein, damit unsere Vorschläge glaubwürdig sind
und auch verbindlich umgesetzt werden können. Viertens wollen wir bestehende
Unterschiede und Benachteiligungen ausgleichen und echte Chancengerechtigkeit im
Bildungssystem herstellen.
Um qualifizierte Vorschläge zur Verbesserung der Thüringer Schullandschaft zu
machen, müssen wir die Realität sachlich betrachten und analysieren.
Veränderungen lassen sich nur gemeinsam mit den Akteur*innen in der Schule
umsetzen. Wir brauchen Zeit und zu Ende gedachte Konzepte, um nicht durch
Aktionismus dem Bildungssystem mehr zu schaden, als zu nützen. Das System Schule
ist komplex und die Lösungen, die wir brauchen, um das Thüringer Bildungssystem
zukunftsfähig zu machen, sind es auch. Wenn wir Veränderungen initiieren, werden
wir dafür sorgen, dass diese Schritte jederzeit nachvollziehbar und die zu
erzielenden Verbesserungen überprüfbar sind.
Gute Schule kostet Geld, das im Landeshaushalt und auch aus Bundesmitteln nicht
endlos verfügbar ist. Daher muss sich der Bund stärker einbringen. Das
Kooperationsverbot in der Bildung muss endlich fallen. Wir wollen klar benennen,
welche Verbesserungen aus grüner Perspektive notwendig sind.
Unser Einsatz für optimale Schulstrukturen ist untrennbar mit der Schaffung von
bestmöglichen Rahmenbedingungen für gute Schule und mehr Qualität verbunden.
Schulstrukturen zukunftsfähig aufstellen - gemeinsam für gute Schulen und guten
Unterricht
Verlässlicher, vielfältiger und wohnortnaher Unterricht in hoher Qualität, gute
Arbeitsbedingungen für unsere Lehrkräfte - das sind universelle Anforderungen an
erfolgreiche Schulen und guten Unterricht. Um diese zu garantieren müssen wir
die Bedingungen für zukunftsfähige Schulstrukturen in Thüringen schaffen.
Die Ausgangslage ist kompliziert. Sinkende Schülerzahlen in ländlichen Regionen
Thüringens stehen Schülerzuwächse inklusive größerer Vielfalt in den Städten
gegenüber. Hinzu kommen der Generationenwechsel in den Lehrerzimmern ebenso, wie
der sich auf einem kontinuierlich hohen Niveau bewegende Unterrichtsausfall.
Weiterhin zeigen sich wachsende Probleme mit Blick auf eine flächendeckende
Lehrkräfteversorgung und einer hohen Anzahl von häufig und langzeiterkrankten
Lehrer*innen.
Gleichzeitig ist Thüringen das einzige Bundesland, welches den Kommunen und
Landkreisen bislang so gut wie keine Vorgaben für die Schulnetzplanung macht.
Die Folge ist ein im Ländervergleich personalintensives, kleinteiliges und damit
auch kostenintensives Schulwesen, das immer mehr an seine schulorganisatorischen
und finanziellen Grenzen stößt. Das Gutachten der Kommission „Zukunft Schule“
widmet sich diesen Problemlagen und stellt mit seinen vielfältigen Vorschlägen
einen guten Anfangspunkt für den nun notwendigen Reformdialog im Schulbereich
dar.
Wir begrüßen den gerade begonnenen Werkstattprozess mit allen an Schule
Beteiligten. Wer ernsthaft an guten Schulen und gutem Unterricht interessiert
ist, der verweigert sich weder dem parlamentarischen noch dem
außerparlamentarischen Dialog für zukunftsfähige Schulstrukturen, zu denen
sowohl staatliche, kommunale und freie Schulen gehören. Freie Schulen sind für
uns Grüne ein elementarer Bestandteil einer vielfältigen Bildungslandschaft und
stellen neben der Wahlfreiheit für Eltern und Schüler*innen eine sinnvolle
fachliche Ergänzung zum staatlichen Schulangebot dar.
Thüringens Stärke ist die regionale Vielfalt. Daher setzen wir auf passgenaue
Lösungen vor Ort und machen uns für eine thüringenspezifische Entwicklung von
Schulverbund- und Kooperationsmodellen stark, die den sinnvollen Erhalt kleiner
Schulstandorte ermöglicht und dennoch Wahlmöglichkeiten und Qualität garantiert.
Südtirol macht es uns mit seinen Sprengelschulen beispielhaft vor.
Unser Ziel ist es, die Wahlmöglichkeit mit Blick auf Schularten zu erhalten und
flächendeckend ein am Ganztag orientiertes Angebot sicherzustellen, dass alle
Abschlüsse ermöglicht. Hierfür ist die Gemeinschaftsschule ein gutes Angebot,
welches auch in allen Landkreisen und kreisfreien Städten zur Verfügung stehen
muss.
Der gemeinsamen Diskussion mit allen an Schule Beteiligten über die gesetzliche
Festlegung von Schulmindestgrößen stehen wir als Grüne offen gegenüber. Klar ist
aber auch, dass es für die Einführung solcher Rahmenbedingungen
Übergangzeiträume braucht, ebenso wie eine übergeordnete Gesamtstrategie des
Landes zur Stärkung des ländlichen Raumes.
Offensive für Bildungsqualität und mehr schulische Selbständigkeit in Thüringen
Jedes Kind hat das Recht auf eine gute Schule, unabhängig vom Wohnort,
unabhängig von der Schulgröße, unabhängig von der Schulform. Zu wenig rückt in
den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion, dass es unter denselben
Rahmenbedingungen Schulen gibt, die als lernende Systeme gut aufgestellt sind
und Schulen, wo sich wenig bewegt. Zudem gibt es innerhalb einer Schulart
erhebliche Abweichungen nach oben und unten.
Wir setzen auf mehr schulische Selbständigkeit und Entscheidungen vor Ort. Die
Qualitätssicherung erfolgt auch durch Evaluation auf der Basis eines schulischen
Qualitätsrahmens und setzt bei der Einzelschule an. Dazu gehört die Entwicklung
von Zielgrößen für die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit der Einzelschule
genauso wie ein begleitendes Instrumentarium zur Qualitätssicherung durch
unterstützende Schulaufsicht, Maßnahmen der internen und externen Evaluation und
durch die Angebote des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung,
Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM).
Bei der Weiterentwicklung der Eigenverantwortung und Selbständigkeit von Schulen
soll vom Grundsatz her keine Frage ausgeklammert werden: Personalverantwortung,
Budgetverantwortung, innere Gestaltungsfreiheiten, eine Erhöhung des
Fortbildungsbudgets und auch das Einfordern der inneren Schulentwicklung müssen
mitgedacht werden. Ein erster Schritt können Pilotprojekte für mehr
Selbständigkeit und Freiheit von Schulen bei gleichzeitiger verbindlicher
Qualitätsverantwortung sein.
Begleitende externe Evaluation muss mit auskömmlichen Ressourcen ausgestattet
werden, ebenso wie es eine Stärkung der Schulaufsicht einschließlich der
Schulpsychologie in ihrer regionalen Beratungs-, Koordinations- und
Aufsichtsfunktion braucht. Außerdem muss eine Überprüfung der Strukturen und
Aufgabenverteilung, von ThILLM, der Schulaufsicht einschließlich Ministerium und
der Schulen, erfolgen.
Demokratische und eigenverantwortliche Schulen fördern
Demokratie und eine offene pluralistische Gesellschaft sind politische
Errungenschaften, die immer wieder erlernt, erstritten und verteidigt werden
müssen. Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und einer
Zunahme rassistischer, rechtspopulistischer und antidemokratischer Tendenzen
auch in der gesellschaftlichen Mitte, ist es entscheidend, die politische
Bildungsarbeit insbesondere in den Schulen zu stärken.
Demokratie lebt von Beteiligung! Wir Grüne wollen die Demokratie stärken, indem
wir die Demokratiebildung an unseren Schulen lebendig gestalten und gemeinsam
mit den Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften weiterentwickeln. Dafür müssen
auch die demokratischen Strukturen der Lehrer- und Erzieherkollegien ausgebaut
und die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte der Schüler*innen gestärkt werden.
Das Demokratieverständnis wollen wir einerseits durch die Förderung von
demokratischen Strukturen in Schulen unterstützen, beispielsweise durch die
Begleitung von Schülervertretungen. Andererseits muss Demokratiebildung,
politische und menschenrechtsorientierte Bildung als fächerübergreifendes
Querschnittsthema den Unterricht und die gesamte Schule betreffen. Nur wer
versteht, wie Demokratie theoretisch und praktisch funktioniert, kann sich dafür
begeistern, sie mitzugestalten. Wir leben in einer offenen, pluralistischen
Gesellschaft. Grundlage hierfür ist die Gleichberechtigung unterschiedlicher
religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen. Die Werteordnung des
Grundgesetzes und der Menschenrechte sind das gemeinsame Fundament. Dies
herauszuarbeiten muss stärker Teil der schulischen Bildung werden.
Demokratie ohne eigene Entscheidungsspielräume bleibt eine Leerformel! Wir
wollen daher mehr schulische Selbstständigkeit und Entscheidungen vor Ort
ermöglichen. Durch die verschiedenen Möglichkeiten der internen und externen
Evaluation wollen wir die Qualitätssicherung an Thüringer Schulen gewährleisten.
Ein Vergleichssystem kann der ‚Referenzrahmen Schulqualität‘ bilden, der ebenso
weiterentwickelt werden muss, gerade auch in Bezug auf die demokratiebezogenen
Anteile.
Neben der Stärkung der Mitwirkungsgremien geht es dabei darum, dass der
Lernprozess der Schüler*innen selbst durch Beteiligung, Mitwirkung und
Verantwortungsübernahme für die eigenen Lernprozesse gefördert wird. Dazu gehört
der weitere Ausbau einer demokratischen Lern- und Schulkultur. Stichworte hierzu
sind der Ausbau des selbstregulierten Lernens genauso wie Maßnahmen für eine
gerechte fürsorgliche Gemeinschaft und die Thematisierung von Kinderrechten.
Wir werden die Eigenverantwortung und Selbständigkeit von Schule und allen an
Bildung und Erziehung Beteiligten stärken, indem wir selbstverwaltete und
selbstgestaltete Schulen ermöglichen, fördern und einfordern. Diese verfügen
über eigene Budgets, sind mit schulscharfen Personalausschreibungen an der
eigenen Personalauswahl beteiligt und entwickeln und etablieren mit
Unterstützung des Landes eigene Schulentwicklungskonzepte mit eigenen
inhaltlichen Schwerpunkten.
Dazu gehört auch, dass die Schulen ihren Gemeinwesen- und Netzwerkcharakter vor
Ort stärker nutzen und entsprechend ihres Schulprofils sinnvolle Kooperationen
mit außerschulischen Partnern beispielsweise aus der Jugendarbeit, Sport,
Feuerwehr oder anderen Vereinen aber auch Betrieben und Unternehmen sowie mit
kommunalen Strukturen eingehen.
Eine vorsorgende Personalentwicklung im Schulbereich etablieren
§ 1 Absatz 1 Thüringer Schulgesetz formuliert: „Jeder junge Mensch hat ein Recht
auf schulische Bildung und Förderung.“ An diesem Anspruch muss sich die Realität
in unseren Schulen messen lassen. Denn wir wissen, dass dieses Recht nur
gewährleistet werden kann, wenn wir ein funktionierendes und leistungsfähiges
Schulwesen haben.
Zunehmender Unterrichtsausfall und ein hoher Bestand an häufig und
langzeiterkrankten Lehrkräften zeigen den immensen Handlungsbedarf auf. In den
kommenden Jahren wird der Generationswechsel in den Lehrerzimmern deutlich an
Geschwindigkeit zunehmen. Eine der zentralen Aufgaben besteht deshalb darin,
Thüringen attraktiv für angehende Lehrkräfte zu machen und die bestmöglichen
Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass wir den zukünftigen Lehrkräftebedarf
angesichts ungünstiger demografischer Vorzeichen adäquat sicherstellen. Auch
gilt es, die Gesundheitsprävention deutlich zu stärken.
Die zudem wiedereingeführte Verbeamtung der Lehrkräfte ist sicher kein
Allheilmittel, sie erhöht dennoch die Attraktivität des Freistaats im Wettbewerb
um gut ausgebildete Fachkräfte. Diese brauchen eine praxisnahe Ausbildung, gute
Fortbildungen und qualitätsorientierte Teamarbeit.
Um angehende Lehrkräfte im Freistaat zu halten, ist es wichtig, dass in
Thüringen früher als bisher die Zusagen nach einer Bewerbung erfolgen. Wir
wollen die Zeitschiene des Einstellungsverfahrens deutlich nach vorn
verschieben, sodass die Schuljahresplanungen in den Schulämtern so früh wie
möglich begonnen werden können.
Damit der Freistaat im Personalbereich zukünftig mithalten kann, sind auch
selbstbewusste Werbekampagnen notwendig. Schließlich brauchen wir mehr
Studienanfänger*innen in und außerhalb Thüringens insbesondere für die
sogenannten Mangelfächer. Um der Situation in Mangelfächern mittelfristig
entgegenzuwirken, schlagen wir die Einführung eines Landesstipendiums für
Mangelfachstudierende vor. Kurzfristig sollte ein spezielles
Seiteneinstiegsprogramm u.a. für ausgebildete Erziehungswissenschaftler*innen
geprüft werden.
Neben einem modernen Besoldungsgesetz, setzen wir weiter auf unkomplizierte
Bewerbungsverfahren sowie grundsätzlich auf erleichterte Zugangsmöglichkeiten
für Seiteneinsteiger*innen und auch flexible Budgets für Schulen, um kurzfristig
auf Ausfallsituationen reagieren zu können.
Inklusion braucht Entwicklung
Alle Menschen haben das Recht auf gute und inklusive Bildung. Und: Es ist normal
verschieden zu sein. Diese zwei bildungspolitischen Grundsätze sind uns Grünen
besonders wichtig. Ausgehend davon wollen wir die personellen, räumlichen und
sächlichen Rahmenbedingungen für ein inklusives Bildungswesen in Thüringen
Schritt für Schritt weiter verbessern. Inklusion braucht Entwicklung, braucht
Mut und dennoch Augenmaß. Keinesfalls darf Inklusion an der Kassenlage des
Landes scheitern. Auch den Bund sehen wir hier in der finanziellen
Mitverantwortung.
Inklusive Bildung, d.h. gemeinsames und zugleich individuelles Lernen, Erziehung
und Betreuung muss von Anfang an möglich sein. Das braucht gut ausgebildete
pädagogische Fachkräfte, ausreichend Personal, das individuelle Förderung
ermöglicht, und den Einsatz multiprofessioneller Teams. Kinder und Jugendliche
brauchen für ihre Entwicklung vielfältige Kompetenzen. Das gilt neben der Schule
auch für die Erwachsenenbildung. Nur eine barrierefreie Erwachsenenbildung kann
auch allen Menschen zugutekommen. Auch sie braucht Professionalität und
entsprechende Rahmenbedingungen.
In der Schulpolitik werden wir das unzeitgemäße Nebeneinander von
Förderschulgesetz und Schulgesetz beenden und noch in dieser Legislatur ein
inklusives Schulgesetz auf den Weg bringen. Unser Ziel ist es, Rahmenbedingungen
dafür zu schaffen, dass sich alle Schulen im Land bis zum Jahr 2025 zu
inklusiven Schulen entwickeln können. Damit dies gelingt, sollen alle Schulen
grundsätzlich mehr sonderpädagogische Unterstützung als bisher erhalten. Wir
wollen, dass ab dem Schuljahr 2019/20 pro Jahr mindestens 100 zusätzliche
sonderpädagogische Fach- und Lehrkräfte für den gemeinsamen Unterricht
eingestellt werden. Die sonderpädagogische Diagnostik soll nach klaren
Qualitätsstandards bei gleichberechtigter Einbeziehung freier Schulträger
konsequent und landesweit vereinheitlicht werden.
Für staatliche und freie Förderzentren wollen wir Entwicklungsperspektiven und
vor allem bessere Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Schularten schaffen.
"Netzwerkförderzentren ohne Schüler*innen", also Förderschulen deren
Lehrpersonal den gemeinsamen Unterricht der angehörigen Netzwerkschulen
unterstützt, sollen genauso wie die Entwicklung hin zur inklusiven
allgemeinbildenden Schule Möglichkeiten sein. Wir sind uns einig, dass die
Expertise der Sonderpädagog*innen und die guten räumlichen Bedingungen dieser
Lernorte erhalten und für gute inklusive Bildung genutzt werden müssen.
Gleichzeitig streben wir an, die Aus- und Weiterbildungskapazitäten mit Blick
auf den Umgang mit Heterogenität in allen Phasen der Lehrerbildung zu erhöhen.
Es sollen bedarfsgerecht Möglichkeiten für die berufsbegleitende Qualifikation
im Bereich Sonderpädagogik in allen Förderbereichen geschaffen werden.
Selbstverständlich gilt es ebenso den Bedürfnissen von Schüler*innen mit
besonderen Begabungen gerecht zu werden. Dazu sollen die bestehenden
Spezialgymnasien weiterhin unterstützt werden und alle Schulen ausreichende
Ressourcen für die Begabtenförderung erhalten.
Multiprofessionalität gehört für uns zu einer inklusiven und guten Schule
selbstverständlich dazu. Daher setzen wir uns für ein gutes Miteinander und den
sinnvollen Einsatz von Lehrkräften, sonderpädagogischen Fachkräften,
Erzieher*innen, Integrationsbegleiter*innen, Schulpsycholog*innen und
Schulsozialarbeiter*innen ein. Die schulbezogene Jugendsozialarbeit und
schulpsychologische Angebote wollen wir weiter bedarfsgerecht ausbauen und
mittelfristig gesetzlich verankern.
Der Umfang bestehender Schulbauprogramme muss erhöht werden. Wir wollen
Schulsanierung und Neubau noch stärker fördern und auf die Schaffung von
Barrierefreiheit ausrichten. Neben baulichen Voraussetzungen wird es allerdings
auch und gerade darum gehen müssen, Barrieren in den Köpfen abzubauen. Denn
Inklusion ist und bleibt ganz zentral auch und gerade eine Frage der Haltung
aller Beteiligten.
Bildungsbarrieren abbauen – Integration leben
Der Zugang zu Bildung ist ein universelles Menschenrecht. Bildung öffnet
sprichwörtlich die Türen zur Welt. Damit diese auch den Geflüchteten und
zugewanderten Menschen nicht verschlossen bleiben, gilt es, bestehende Barrieren
und Hürden beim Zugang zu Bildung konsequent abzubauen.
Wir setzen uns dafür ein, dass die auf zehn absolvierte Schulbesuchsjahre
angelegte allgemeine Schulpflicht im Sinne der Geflüchteten umgesetzt wird und
dabei auch die Lebensrealitäten berücksichtigt. Für uns ist klar: Es braucht
perspektivisch keine Parallelsysteme, sondern die Stärkung der Regelstrukturen.
Je schneller zu uns gekommene junge Menschen sprachlich gefestigt gemeinsam mit
Muttersprachler*innen lernen können, umso besser gelingt Integration.
Das von unserem grünen Migrationsministerium finanzierte "Start Deutsch" war und
ist ein gutes Programm, um auch den Übergang in die Berufsschulen zu
gewährleisten. Zukünftig muss es jedoch grundsätzlich darum gehen, unsere
Schulen und Berufsschulen noch stärker für junge Geflüchtete zu öffnen, um auch
ihnen die notwendigen Abschlüsse zu ermöglichen. Dazu braucht es auch
fachkundiges Personal. Mit der Übernahme der bislang befristeten DaZ-
Lehrer*innen sind wir auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen. Darüber
hinaus setzen wir uns für die Bereitstellung weiterer unbefristeter DaZ-Stellen
ein.
Um Schulen besser unterstützen zu können, sollen zudem die Beratungs- und
Fortbildungsangebote im Schulbereich bedarfsgerecht gestärkt und die
Schulsozialarbeit in allen Schulformen auch für die Bedarfe von geflüchteten
Schüler*innen wirksam werden.
Schulen müssen oftmals schnell und flexibel reagieren können. Das wollen wir
ihnen mit eigenverantwortlich bewirtschafteten Budgets für Lehr- und Lernmittel
und für Honorarkräfte, ermöglichen. Um die sprachlichen und interkulturellen
Kompetenzen der Lehrkräfte nachhaltig zu verbessern, sollen diese in der
Lehrkräfteaus- und -fortbildung mehr als bisher vermittelt werden.
Für alle nicht mehr schulpflichtigen jungen Menschen bis 27 Jahre – egal ob
zugewandert oder nicht – soll im Schulgesetz das bedingungslose Recht auf
Schulbesuch und das Erlangen eines Schulabschlusses an einer allgemeinbildenden
oder berufsbildenden Schule gesetzlich verankert werden. Insbesondere für
diejenigen, denen der Zugang zu anderen Bildungsgängen nicht möglich ist, wollen
wir ein flexibles ein- bis maximal dreijähriges „Berufsvorbereitungsjahr
Bildung“ schaffen, das sowohl die Anschlussfähigkeit in die duale oder
vollzeitschulische Ausbildung ermöglicht, als auch den Wechsel in weiterführende
Bildungsgänge der Berufsschule oder in sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung.
Die Träger der Erwachsenenbildung wollen wir weiter bei der Sprachbildung
unterstützen und die Förderung von Integrationsmaßnahmen verstetigen.
Mehr Zeit für gute Bildung – Ganztagsschule ausbauen
Eine zeitgemäße Ganztagsschule basiert auf modernen Raumkonzepten und
vielfältigen Kompetenzen von ganz unterschiedlichen Professionen, beispielsweise
von Lehrkräften, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Integrationshelfer*innen
und den Angeboten vieler Vereine, Verbände und außerschulischer Partner.
Thüringen hat mit seinen Schulhorten an den Grundschulen gute Voraussetzungen
für einen qualitätsvollen Ausbau des Ganztagsunterrichts. Darauf wollen wir
aufbauen und den Anteil von teilgebundenen und gebundenen Ganztagsschulen im
Primarbereich durch ein Ganztagsschulprogramm des Landes schrittweise erhöhen.
Dafür brauchen wir verlässliche, am Bedarf ausgerichtete Personalkonzepte und
auch mehr Vollzeitstellen für die Erzieher*innen in den Schulen.
Teilgebundene und gebundene Ganztagsschulen mit ihren vielfältigen und
rhythmisierte Lern- und Unterstützungsangeboten bieten Möglichkeiten und vor
allem mehr Zeit, um die sozialen Bedürfnisse und die individuellen
Lernausgangslagen ihrer Schüler*innen besser in den Blick zu nehmen. Zu einem
guten Ganztagsangebot gehört für uns auch ein gesundes Getränke- und
Mittagessenangebot für alle Kinder und Jugendlichen.
Zudem streben wir im Sinne eines gerechten Zugangs zu Ganztagesangeboten an,
sämtliche Angebote im Rahmen des Ganztages – auch den Schulhort – perspektivisch
kostenfrei zu stellen. Auch im Sekundarbereich sollen Ganztagesangebote stärker
unterstützt werden.
Länger und gemeinsam Lernen – Gemeinschaftsschule in Thüringen pushen
Eine Antwort auf die vielfältigen Anforderungen an ein gutes Schulwesen ist die
seit 2010 eingeführte Thüringer Gemeinschaftsschule, in der alle Schüler*innen
gemeinsam mindestens bis zur Klasse 8 und entsprechend ihrer
Leistungsmöglichkeiten, Begabungen und Interessen im vorwiegend
binnendifferenzierenden Unterricht individuell gefördert werden. Mit der
Gemeinschaftsschule schaffen wir nicht nur verlässliche Perspektiven für
längeres gemeinsames Lernen, sondern tragen auch zu nachhaltigen Schulstrukturen
im ländlichen Raum unter den Bedingungen des demografischen Wandels bei, da alle
Schulabschlüsse in einer Schule für alle angeboten werden können. Die
Gemeinschaftsschule ist ebenso ein Beitrag gegen die soziale Spaltung der
Gesellschaft.
Unser Anliegen ist es, die Gemeinschaftsschule mindestens von Klasse 1 bis
Klasse 10 zu einem flächendeckenden Schulangebot in Thüringen machen. Daher soll
zukünftig in jedem Landkreis garantiert mindestens eine Gemeinschaftsschule
bestehen.
Gleichzeitig streben wir an, die Gründungsmöglichkeiten und Zulassungsverfahren
für neue Gemeinschaftsschulen zu erleichtern, ohne dabei Abstriche beim
pädagogischen Konzept zu machen. Wir werden dafür klare Entscheidungsfristen für
die Schulverwaltung und weitere Kooperationsmöglichkeiten bei der Oberstufe in
den Blick nehmen und beispielsweise das Berufliche Gymnasium mit in Betracht
ziehen. Die erhöhte Personalzuweisung für Gemeinschaftsschulen, die sich neu
gründen, wollen wir beibehalten.
Aus grüner Sicht spricht einiges dafür, dass sich auch Förderschulen zukünftig
durch ein Aufwachsen inklusiver Klassen in definierten Übergangszeiträumen
sukzessive zu Gemeinschaftsschulen weiterentwickeln können. Ebenso wollen wir,
die Gemeinschaftsschule bis Klasse 13 ermöglichen, wenn das Schulträger, Eltern,
Lehrkräfte und Schüler*innen wünschen und es ein pädagogisch tragfähiges Konzept
dafür gibt.
Unser Ziel bleibt die verstärkte Ausrichtung auf längeres, gemeinsames Lernen
auch in der Lehrkräfteaus- und Weiterbildung und die gleiche Bezahlung aller
Lehrkräfte, die an einer Gemeinschaftsschule unterrichten. Allerdings gilt es
auch, die Bezahlung der Lehrkräfte anderer Schularten zu beachten. Gemeinsam mit
den Lehrergewerkschaften wollen wir daher in den Dialog über ein modernes
Besoldungssystem treten. Thüringen muss im Wettbewerb um die besten Lehrkräfte
mit den anderen Ländern mithalten können.
Raus aus der Kreidezeit – Digitalisierung im Schulwesen voranbringen
Wir Grüne wollen die Chancen der Digitalisierung im Sinne guter Bildung nutzen.
Überall da wo es pädagogisch sinnvoll ist, soll der fächerübergreifende Einsatz
digitaler Medien und digitaler Werkzeuge unterstützt werden. Wir Grüne packen
die infrastrukturellen und personellen Rahmenbedingungen für digitale Bildung
an.
Bereits in der frühkindlichen Bildung lässt sich – wie es im Thüringer
Bildungsplan bis 18 Jahre beschrieben ist – kindgerecht an Medienkompetenzen und
informatorische Inhalte heranführen.
Eine zeitgemäße digitale Bildungsinfrastruktur ist bislang kaum vorhanden. Das
wollen und werden wir ändern! Unser Anspruch ist klar: Bis spätestens zum Jahr
2025 erhalten alle Schulen einen Breitbandanschluss, alle Lehrkräfte ein mobiles
Arbeitsendgerät sowie selbstverständlich eine dienstliche Mailadresse. Die
Schulverwaltung erhält eine moderne einheitliche Schulplanungs- und -
verwaltungssoftware. Klassenzimmer werden über Access Points mit WLAN und
interaktiven Tafeln ausgestattet. Mobile Endgeräte sollen durch alle
Schüler*innen genutzt werden, vorzugsweise die eigenen ("bring-your-own-
device"), bei Bedarf aber auch mit Leihgeräten.
Die Medienzentren sollen zu Schnittstellen der Digitalisierung für die Schulen
entwickelt werden und als IT-Dienstleister für die Schulen der Region fungieren.
Die Entwicklung freier Lern- und Lehrmaterialien und der Einsatz von Open-
Source-Software in den Schulbereichen ist uns ein wichtiges Anliegen.
Die Finanzierung dafür zu sichern, ist eine große Herausforderung. Das braucht
die Unterstützung des Bundes, der einen ausfinanzierten Digitalpakt vorlegen
muss. Aber auch das Land sehen wir ab 2020 in der Verantwortung ein
flankierendes Landesinvestitionsprogramm für digitale Bildung zu initiieren. Um
den technischen Support zu sichern, braucht es zudem die notwendigen Stellen an
den Schulen.
Um digitale Bildung konsequent an den Schulen zu verankern, streben wir die
Vermittlung informatorischer Inhalte bereits in den Grundschulen an. NRW hat es
vorgemacht und dort ein Modellprojekt “Programmieren an Grundschulen“
geschaffen. Darüber ob das Fach Informatik verpflichtend unterrichtet werden
sollte, wollen wir mit allen an Schule Beteiligten in den Dialog treten.
Schließlich muss die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte auf digitale
Bildung ausgerichtet werden. Lehrkräfte müssen entsprechende Kenntnisse zur
Vermittlung von Medienkompetenzen haben und über informatorische Inhalte,
Datensicherheit und Datenschutz sowie über das Urheberrecht Bescheid wissen.
Daher ist dies in allen Phasen der Lehrerbildung zu verankern.
Gutes Essen & gesunde Lebensweise
Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit in der Schule. Aus diesem Grunde
stellen wir Grüne hohe Anforderungen hinsichtlich der räumlichen und sachlichen
Ausstattung auch im Bereich der Verpflegung. Wir wollen, dass sich jedes Kind
und jeder Jugendliche ganztägig gesund ernähren kann und dass Kinder und
Jugendlichen in unseren Thüringer Schulen an gesundes Essen und an eine
insgesamt gesunde Lebensweise herangeführt werden.
Unser Ziel ist, dass in Thüringen die Essens- und Getränkeverpflegung
flächendeckend mindestens nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung umgesetzt wird. Dafür braucht es auch gesetzliche Vorgaben, aber vor
allem gut und besser ausgestattete Küchen und Essensausgabemöglichkeiten sowie
lebendige Schulgärten als grüne Lern- und Erfahrungsorte vor allem in der
Primarstufe.
Um eine höhere Akzeptanz für gutes und gesundes Schulessen bei Kindern, Eltern
und Schulträgern zu erreichen, wollen wir Grüne verbindliche
Beteiligungsstrukturen bei der Essensauswahl in ganz Thüringen. Die Versorgung
von Schulen mit bio- sowie regional erzeugten Lebensmitteln und guter
Verarbeitung durch Fachkräfte in geeigneten Schulküchen vor Ort wollen wir durch
gezielte Förderungen unterstützen.